Fokussieren mit modifizierter Scheinerscheibe

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Die Scheinerscheibe (oder im Englischen Sprachraum auch Hartmann-Maske genannt) ist ein einfaches und billiges Werkzeug, um das Teleskop für die Fotografie zu fokussieren. Man nimmt eine Pappscheibe, die die Teleskopöffnung abdeckt, schneidet zwei runde Löcher hinein und plaziert die Scheibe vor der Teleskopöffnung. Wenn das Teleskop defokussiert ist und man auf einen helleren Stern schaut, dann sind zwei Sterne in einem gewissen Abstand zu sehen. Nähert man sich dem Fokus, verringert sich auch der Abstand der beiden Sternbilder, bis sie sich im Fokus treffen und ein einziger runder Stern zu sehen ist. Dieses Verfahren ist zum Beispiel bei Jerry Lodriguss beschrieben.

Was sich in der Theorie so einfach anhört, ist in der Praxis dann doch nicht so trivial. In der Nähe des Fokus ist es nämlich gar nicht leicht, zu entscheiden, ob das Sternbild schon exakt rund oder noch etwas oval ist. Schlechtes Seeing wirkt sich sehr erschwerend aus. Man merkt erst, daß der Fokus schon erreicht war, wenn man ihn wieder verlassen hat und das Sternbild länglich wird. Kein Wunder, daß findige Leute auf Abhilfe sannen. Eine Modifikation der Scheinerscheibe geht auf den bekannten Astrofotografen Ron Wodaski zurück. Statt der zwei runden Löcher werden zwei dreieckige Löcher, die um 60 Grad gegeneinander gedreht sind, in die Scheibe geschnitten. Im Fokus ergibt das einen sechszackigen Stern. Antonio Fernandez beschreibt dieses Verfahren sehr anchaulich.

Allerdings sieht man auch auf den Bilder von Antonio Fernandez, daß der Unterschied zwischen "fast im Fokus" und "im Fokus" bei schlechtem Seeing schwer zu entscheiden sein kann. Die Tatsache, daß die geometrische Form der Löcher der Scheinerscheibe nahe des Fokus und im Fokus abgebildet wird, brachte mich dann auf die Idee, statt zwei gegeneinander verdrehte Dreiecke, zwei um 90 Grad gedrehte Schlitze als Öffnung zu verwenden. Im Fokus sollte das dann ein Kreuz geben. Ich beklebte also die Öffnungen meiner Scheinerscheibe mit Klebeband und schnitt anschließend zwei Schlitze hinein. Das Ergebnis ist links dargestellt. Einen Schönheitspreis wollte ich damit nicht gewinnen, es sollte nur funktionieren.

Der Test am Stern zeigt: Es funktioniert! Man kann sehr leicht und sogar im Voraus (!) bestimmen, wann der Fokus erreicht ist, nämlich dann, wenn der senkrechte Strich sich genau in der Mitte des waagerechten Strichs befindet. Das Drehen des Fokussiertriebs über den Fokus hinaus und ein mühevolles Finden des Fokus hat damit ein Ende. Oben sind drei Stadien beim Fokussieren dargestellt. Links ist man noch weit vom Fokus entfernt, in der Mitte ist er fast erreicht, und rechts ist das Teleskop fokussiert. Einfacher geht es kaum. Und genau ist es auch. Mit dieser Scheinerscheibe sind meine Fokussierprobleme gelöst.

NACHTRAG:

Die modifizierte Scheinerscheibe hat sich bisher in der Praxis bewährt und sogar noch eine weitere interessante Eigenschaft, an die ich zunächst nicht gedacht hatte. Man kann mit ihr durch einfaches Auflegen jederzeit den Fokus kontrollieren. Schneiden sich die beiden Balken noch exakt in der Mitte, hat sich der Fokus nicht verändert. Hat sich einer der Balken leicht außermittig verschoben, muß nachfokussiert werden. Das kann während der Abkühlphase der Nacht notwendig werden. Ich kann jetzt vor jeder Aufnahme den Fokus kontrollieren und, falls es erforderlich sein sollte, sogar während der Aufnahme nachfokussieren, weil ich mit einer integrierenden CCTV-Kamera fotografiere. Das Nachfokussieren ist in wenigen Sekunden erledigt und natürlich die paar Einzelbilder, die dafür geopfert werden müssen, wert.



ZU GUTER LETZT:

Und so sieht ein kontrastverstärktes Einzelbild aus, wenn man die Maske auf dem Teleskop vergißt . . .

Das Bild wurde mit der Atik CCD-Kamera aufgenommen und zeigt NGC 7331.



Kann man die Schlitzmaske noch verbessern? Man kann in der Tat, wie hier dargestellt wird.

 

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